Manchmal zeigt erst die Praxis, wie wichtig fachgerechte Pflege und klare Abstimmung sind:
Im Feuchtbiotop an der Brunnenstraße in Lindelburg, wurde im Herbst letzten Jahres die alljährliche Mahd durchgeführt – allerdings unter Einsatz sehr schwerer Maschinen, die im sensiblen Feuchtgebiet deutliche Schäden hinterlassen haben. Als Bürgerinitiative für Biotop- und Naturschutz Lindelburg sehen wir uns in der Verantwortung, diesen Vorgang offen, faktenbasiert und konstruktiv darzustellen.
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Was tatsächlich passiert ist
Durch mehrere Anwohner wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass im geschützten Feuchtbiotop Lindelburg eine Mahd mit nicht geeignetem Gerät durchgeführt wurde. Dabei kamen Großmaschinen mit einem Eigengewicht von bis zu 20 Tonnen zum Einsatz. Leider fand diese Maßnahme direkt nach einer länger andauernden Starkregenperiode statt.
Die Folgen sind klar sichtbar:
tiefe Fahrspuren,
massive Bodenverdichtungen,
beschädigte Vegetationsstrukturen,
beeinträchtigte Feuchtgebietsökologie.
Die Fläche ist laut Biotopkartierung Bayern zu 100 % gesetzlich geschützt (§ 30 BNatSchG / Art. 23 BayNatSchG). Pflegemaßnahmen sind nur zulässig, wenn sie dem Erhalt des Biotops dienen – was hier nicht erkennbar ist. Mehr noch – wenn falsch durchgeführte Pflegemaßnahmen zur Schädigung des Biotops führen, können diese auch mit Strafen geahndet werden.
Warum dieser Eingriff besonders problematisch war
Feuchtbiotope wie das in Lindelburg an der Brunnenstraße leben von:
lockeren, wasserdurchlässigen Böden,
intakten Vegetationsschichten,
ungestörten Mikrohabitaten,
und einer Mahd, die spät, schonend und mit leichtem Gerät erfolgt.
einer Mitnahme des Schnittguts (kein Mulchen!)
Schwere Maschinen zerstören diese Strukturen:
Bodenverdichtung verhindert Wasseraufnahme,
Fahrspuren verändern Mikroreliefs,
Pflanzenbestände werden mechanisch geschädigt,
Amphibien und Insekten verlieren Lebensräume.
Der Zeitpunkt der Mahd – bei stark gesättigtem Boden – verstärkte die Schäden zusätzlich. Leider wurde die Mahd des Feuchtbiotops bereits in den Vorjahren mehrfach ähnlich fehlerhaft durchgeführt.
Unsere Fragen an die Verantwortlichen
Vor diesem Hintergrund haben wir eine Stellungnahme zu folgenden Punkten eingefordert:
Kenntnis und Genehmigung: War die Maßnahme bekannt und mit der Naturschutzbehörde abgestimmt?
Schadensbewertung: Liegt eine Dokumentation oder Bewertung der entstandenen Schäden vor?
Technik und Zeitpunkt: Warum wurde nach Starkregen und mit extrem schweren Maschinen gearbeitet?
Folgen und Verantwortung: Welche Schritte sind geplant, um die Schäden zu beseitigen? Wird der Dienstleister zur Verantwortung gezogen?
Zukünftige Maßnahmen: Wie wird künftig sichergestellt, dass solche Fehler nicht wieder passieren? Unser Vorschlag:
Einsatz ortsansässiger Landwirte mit Kenntnis der lokalen Böden,
Mahd mit leichtem Gerät,
späte Schnittzeitpunkte,
Nutzung des Schnittguts als Futter – ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.
Reaktion der Behörden – konstruktiv und lösungsorientiert
Die Rückmeldung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) war klar, fachlich und sehr kooperativ. Die zuständige Sachbearbeiterin hat:
den Schaden bestätigt,
die Gemeinde angewiesen, die Fläche händisch wiederherzustellen,
ein neues Pflegekonzept angekündigt,
den Einsatz schwerer Maschinen künftig ausgeschlossen,
eine späte Mahd bei trockenen Böden angeordnet,
und die Nutzung eines handgeführten Balkenmähers als Standard vorgesehen.
Sie wird das Pflegekonzept in der kommenden Vegetationsperiode weiter anpassen und die Entwicklung eng begleiten.
Wir haben die Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde (UNB) als sehr gut, offen und lösungsorientiert erlebt. Gemeinsam konnten wir dafür sorgen, dass die Schäden ernst genommen werden und die Pflege künftig fachgerecht erfolgt.
Ein Wort zur Verantwortung
Die fachliche Qualifikation der beteiligten Personen – etwa des Bauhofs – ist nicht das Problem. Es geht vielmehr um die Einstellung und das Bewusstsein, wie sensibel Feuchtgebiete sind und wie wichtig eine naturschutzgerechte Pflege ist.
Umso wichtiger ist es, dass die Behörden nun klare Vorgaben machen und die Gemeinde als Eigentümer diese konsequent umsetzt.
Unsere Position
Wir stehen für:
Transparenz,
fachgerechte Pflege,
Schutz sensibler Lebensräume,
und konstruktive Zusammenarbeit mit Behörden.
Die Mahd des Feuchtbiotops in der Brunnenstraße im letzten Jahr war ein Fehler – aber ein Fehler, der die Chance bietet, es künftig besser zu machen. Dies wurde uns von Bürgermeister Martin Glienke auch so zugesichert.
Wir werden das neue Pflegekonzept begleiten und sicherstellen, dass die Fläche sich erholen kann und künftig nach ökologischen Standards gepflegt wird.